Montag, 20. Juli 2009

TERE!!




ICH BIN DA! ENDLICH! Nach fünf Tagen bin ich in Estland angekommen..hinter mir liegen eine extrem anstrengende Zugfahrt, aber auch ein sehr hilfreiches Ausreiseseminar am wunderschönen Plöner See (Liebe Grüße an Carmen und Swenja!!) und eine noch schönere Fährüberfahrt von Lübeck nach Riga. Die Sonnenuntergänge auf der Ostsee haben die mühselige Gepäckschlepperei schnell vergessen lassen und auch viel Sorgen und Ängste hab ich einfach in den Weiten zurückgelassen...die Fährüberfahrt hat mir auch in sofern viel geholfen, indem ich mit Deutschland oder dem "Alten" abschließen konnte und mich voll auf Estland vorbereiten konnte. Denn man befindet sich genau in der Mitte, quasi im Nichts...ich kann nur jedem eine solche Schiffsfahrt ans Herzen legen, vor allem denen, die nach Antworten suchen...

Aber auch so macht man dort recht unterhaltsame Bekanntschaften, ob es die deutschen Pfadfinder oder die sehr kontaktfreudigen, netzhemdentrageden russischen LKW -Fahrer sind : P


Freitag morgen, 7:00 Uhr, Ankunft in Riga
Der Fähranleger war sehr weit ausserhalb von der City und die Straßen sind eher für LKWs ausgebaut als für arme, vollbepackte FÖJlerinnen. Julia und ich hatten natürlich (wie es sich für mich gehört) auch nicht an die lettischen Kronen gedacht und mussten dann schließlich nen Taxifahrer bestechen, der uns dann nach diversen Kommunikationsproblemchen an den Busbahnhof brachte. Von Riga an sich haben wir nicht soooo viel gesehen, nur die Randgebiete und das Gebiet um den Busbahnhof. Aber im Laufe unseres FÖJs werden wir noch öfter mal nach Riga kommen ; )





So gegen
12: 30 Uhr gins dann los: Abfahrt in die neue Heimat, auf gegen Norden! Das Wetter war wie auch schon auf der Fäher einfach perfekt, Sonne, aber nicht zu heiß und n kühles Lüftchen um die Ohren...So gegen 13:15 Uhr haben wir dann die Grenze erreicht...Endlich in Estland!!






Auf der linken Seite das Meer, auf der rec
hten der dichte Wald und vereinzelt kleine urige Bauernhäuser...einfach nur schön!

14:00 Uhr, Ankunft in Pärnu

Dagmar, unsere Betreuerin, hat uns am Busbahnhof in Pärnu abgeholt und unser erster Stop war der Supermarkt, erstmal Geld wechseln, kurzer Einkauf und ohhh ...wir durften schon mal ne estnisch-lettische Spezialität probieren, und ich find sie echt supi...Kärums werden sie in Lettland genannt und in Estland heißen sie Kuhuke.Mmmhhh...der Hammer..aber ich verrat nix, müsst ihr schon selbst probieren kommen! ; )

Mein Adrinalinspiegel stieg noch höher, denn es ging raus aus der Sommerstadt Pärnu, rein in die Wildnis, rein nach Soomaa.
Und Soomaa ist unbeschreiblich schön, ich find keine Worte für das, was ich bis jetzt von dem Nationalpark gesehen hab! Wild, romantisch, einsam, verwuchert, märchenhaft, für mich die große Freiheit. Unsere Wohnung ist eher spärlich und nich so liebevoll eingerichtet, aber Julia und ich werden das noch ändern. Tja Freunde, also mit Dusche und so siehts wirklich schlecht aus, wir haben ein kleine Tümpel am Haus, das wars, der Fluss is auch zu weit weg (zumindest ohne Auto), aber vielleicht können wir die zwei Fahrräder irgendwie in Gang bringen (natürlich nur für den Sommer).






























Ach und für alle, die ich wieder mal vergessen habe, hier meine Adresse und so n Zeux:

Iia pk

Kõpu vald

71211 Viljandimaa

Tel
: 003724359315

Ich hab wahrscheinlich ab August ne Internetverbindung und dann wird auch mein/unser Telefon
angeschlossen : )
In meiner ersten Nacht in Soomaa hab ich sehr gut geschlafen, und von Moskitoalarm war nichts zu spüren, aber das sollte sich bald ändern, aber das is ne andere Geschichte..






















Der Samstag war komplett ausgefüllt, das heißt für Heimweh hat man hier garkeine Zeit.
Dagmar hat uns das Infozentrum, unser großes Projekt, die Tipu Looduskool und natürlich den Nationalpark an sich gezeigt.
Die Tipu Looduskool ist ein super schönes Gebäude, leider ist der jahrelange Zerfall vor allem im Innern nicht zu übersehen. Doch man kann es sich schon jetzt vorstellen, wie es in paar Jahren mal aussehen könnte, doch bis dahin muss noch viel viel passieren.


















Weiter ging es dann zu den Schmuckstücken des Soomaarahvuspark, den Hochmooren. Ich hab ja schon unzählige Bilder und Videos darüber gesehen, doch dann wirklich mittendrin zu stehen und diese Weiten und die Landschaft auf sich wirken zu lasssen, sprengt alle Formen der Vorstellungskaft. An so einem Ort war ich noch nie gewesen, voller Melancholie und dann diese Stille, bei der es einem eiskalt den Rücken runter laufen lässt, wenn es nicht soooo schööööönn wäre!!!! Ich will auch garnicht weiter drauf eingehen, denn so etwas mit Worten zu beschreiben geht einfach nicht. Ich weiß nur jetzt schon, dass mir dieser Ort sehr,sehr fehlen wird, wenn ich wieder in das graue,stressige und laute Deutschland komme und ich will noch garnicht daran denken, wenn ich das letzte mal an den Moortümpeln sitzen werd... Ich glaub ich hab auch noch nicht erwähnt, dass der Himmel in Soomaa anders ist wie irgendwo sonst in Estland oder überhaupt, überall!! Aber das wird euch sicher auch als erstes auffallen, wenn ihr mal hier seid!































































































Der Abend kam immer näher und ich ahnte noch nicht, welch grausame und blutrünstigen Kreaturen es auf mich abgesehen haben. In dieser Nacht hab ich dann nur im 5 Minuten Takt geschlafen, denn diese verdammten Biester nehmen wirklich keine Rücksicht!
Als ich dann morgens aufgestanden bin hatte ich..mhh..bin ehrlich und hab sie nicht gezählt...ca. 100-150 Moskitostiche. Das is jetzt nicht gelogen, aber es könnten auch mehr gewesen sein (Ich hab auch Beweisfotos)! Aber wir haben dann auch den Soomaa Nationalpark und die Moskitos verlassen und sind los nach Viljandi. Viljandi ist ca. ne halbe Stunde von Iia und die nächste größere Stadt dazu. Nach einer kurzen Stadtrundführung sind wir dann mit dem Bus weiter nach Tartu (von Viljandi werd ich noch genug erzählen, vor allem vom Viljandi Folk Festival).




































Ja also Tartu, wo ich mich jetzt im Moment befinde und auch noch bis zum 14. August sein werde, is wieder völlig anders als Viljandi, Tartu is eben ne richtige Studentenstadt wie man sie sich vorstellt. Mein Srachkurs an der Uni



ist ziemlich stressig und nervig, die Sprache sehr komliziert
und wenn ich nach Hause komme bin ich todmüde und hab eigentlich garkeine Lust mehr, irgenwie groß was zu machen, was ziemlich schade is, denn Tartu hat ziemlich viel zu bieten.
In unserem Sprachkurs sind Leute von allen möglichen Nationalitäten vertreten, was die Sache wieder sehr interessant und sehr, sehr oft auch ganz spaßig macht, Vorurteile und Klischees lassen Grüßen! : P




Was ich an Tartu total klasse find is:
1. Der Stadtpark inklusive den Ruinen der Domkirche..hab noch nie nen schöneren gesehen
2. Dass man fast überall wireless hat, zumindest an der Uni und in der City (Wers noch nicht weiß, Estland is das Internet-Land überhaupt...von wegen Rückständigkeit)

3. Die Athmosphäre an sich, viele nette Le
ute, abends kann man cool weggehen (und man braucht auch kein Taxi um wieder Heim zu kommen ; ) )







































































































bis bald! Alinski

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Eestnisch-Anfängerkurs, Teil 3

Tere! - Hallo!

Kuidas läheb? - Wie gehts?

Hästi! - Gut!

Nii ja naa! - Geht so!

Halvasti! - nicht so gut, schlecht


Aga sul? - Und dir?


Nägemist! - Auf Wiedrsehen!

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Dienstag, 14. Juli 2009

einfach nur so...

Moin moin,

hab mir gedacht,dass es ja ganz nett und eventuell ganz hilfreich wäre, mal so ein paar Infos über Estland, den Soomaa Nationalpark und die Tipu Looduskool rauszugeben.


Also vielleicht fang ich mal mit dem kleinen, aber feinen Estland an.
Für alle visuellen Lerner oder Erdkundeschwänzer - Here it is:




Damit ihr auch immer wisst, wo ich eigentlich gerade bin, wenn ich euch von meinen Reiseabenteuern erzähle (naja, soviele gabs leider noch nicht)

Estland, auf estnisch Eesti, gehört wie Lettland und Litauen zu dem Baltikum, wobei die estnische Sprache nicht mit dem lettischen oder litauerischen verwand ist. Estnisch gehört wie das finnische und ungarische zur finnugrischen Sprachfamilie (wie der Name schon sagt).
Genausowenig hat Estland Bezug zu Skandinavien. Das macht es so interessant. Geprägt wurde es natürlich (sehr stark) durch Russland.
Estland gehörte im 18. jahrhundert zum russischen Zarenreich. Im 16. Jahrhundert eroberten die Schweden das Land und die Deutschen haben hier auch ihre Spuren hinterlassen (13. Jahrhundert, Deutscher Orden). Deshalb ist es auch kaum erstaunlich, dass es vor allem kulturell viele Verbindungen nach Deutschland gibt.
Wenn ich schon meine Geschichtsstunde habe, dann wenigstens richtig:

Nachdem das Zarenreich zusammenbrach, wurde Estland zum ersten Mal unabhängig.
Die Republik Estland wurde am 24.Februar 1918 gegründet.

Doch schon 1939 war es damit vorbei, der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 führte zur Sowjetischen Okkuputation des gesamten Baltikums. Nachdem die Deutschbalten von Hitler zurückgerufen wurden, begann in der Nacht von dem 13. auf den 14. Juni 1941 die Massendeportation. 65 000 Menschen wurden in Viehwaggons nach Sibirien deportiert, für die meisten Balten, vorwiegend Frauen und Kinder, bedeutete das der Hunger-oder Kältetod.

Dann ging alles ganz schnell. Die Nazis kamen ins Baltikum, doch nicht wie gedacht als Befreier, sondern als Unterdrücker und Eroberer. Die jüdischen Bevölkerung wurde auch hier mit NS-Vernichtungsmethoden und -aktionen verfogt und schließlich ermordet.

Die Rote Armee eroberte sich 1944 das heutige Batikum zurück, daraufhin blieb den meisten nur die Flucht. In den Augen der Sowjets waren die Balten nun Verbündete des faschistischen Deutschlands und Feinde des kommunistischen Regimes.

Doch einige leisteten auch erbittert Wiederstand: Die sogenannten "Waldbrüder". Unzählige verteckten sich in den dichten Wäldern und orgnisierten sich zu riesigen Partisanentruppen gegen die Sowjetische Armee. Anfang der 50er Jahre wurden diese jedoch zerschlage und in dieser Form aufgelöst.

Während dessen erreichte die Massendeportation 1949 ihren Höhepunkt: 200 000 Menschen wurden nach Sibirien in die sogenannten "Arbeitslager" verschleppt.

Die Massendeportation wurde eingestellt, die Okkupation hielt jedoch weiter an.

Eine Zukunftsperspektive und die große Hoffnung brachte erst der Regierungswechsel unter Gorbatschow "Glasnost und Perestroika".
So geriet die Revolution gegen die Sowjetische Herrschaft ins Rollen, nicht nur wie gewöhnlich auf die brutale und gewaltsame Tour, nein, die Balten, besonders die Esten haben sich ihre Freiheit "ersungen".

Die Sängerfeste, welche heute noch das höchste kulturelle Zusammentreffen darstellen, sind sehr tief in der estnischen Geschichte verwurzelt. Die jahrzehntelang überlieferten (Folklore)- Lieder dienten früher in den Familien - und Freundeskreisen vorwiegend der Unerhaltung, besonders in den langen Winterperioden. Trotz der Unterdrückung, die knapp 50 Jahre andauerte, waren sie ein Zeichen des Zugehörigkeits -und Gemeinschaftsgefühls der Balten. Schließlich in der Zeit des Umbruches, in den 80/90er Jahren, dienten sie dem aufschwellenden Nationalgefühls und Freiheitsdranges, der durch alle baltische Staaten ging.
Heute sind die Sängerfeste Teil des (oralen) UNESCO Weltkulturerbes.






Dann gab es noch die baltische Menschenkette, auch "der baltische Weg" genannt. Für die Balten war es der Weg in die Freiheit. Über 2 Mio. Balten fassten sich am 23. August 1989 - am Gedenktag des Hitler-Stalin-Packtes, welcher in die Okkupation führte -an den Händen. Die Menschenkette ging über 600km, beginnend von Vilnius (Litauen) über Riga (Lettland) bis Tallinn (Estland).



Am 20. August 1991 erhielt Estland wieder die langersehnte nationale Souveränität. Jedoch wird hier der 1. Unabhängigkeitstag am 24. Februar höher angesehen und gefeiert.
Am 1. Mai 2004 wurde Estland Mitglied der EU.

Soviel erstmal zur Geschichte...

Alina

Freitag, 10. Juli 2009

Nägemiseni!

Kurz vor dem Aufbruch gibt's eine nette, kleine Überraschungs-Abschiedsparty für Alina.
Hier wird sich ums warme Lagerfeuer versammelt - bei fast estischen Temperaturen :-)



- Dom (der den Blog hoffentlich bald an Alina übergeben wird)


PS: Heute im unserem kleinem Estisch-Kurs: Nägemiseni! - Tschüss!